Leopoldsreut

Foto: ENVIC
Eine Wiese zwischen den Wäldern, in der Mitte eine Gruppe großer Bäume und am Wegrand ein kleines, blumengeschmücktes Kreuz. Und das Schicksal jener Waldlichtung, die des Königs Namen trägt, über Jahrhunderte bis zu den heutigen hiesigen Patrioten, die ihr neues Lebens einhauchen.

EINE KLEINE BAYERISCHE KIRCHE UND EIN BÖHMISCHER HEILIGER

Eine kleine Kirche und eine Schule. Diese beiden Bauwerke blieben von jener Ortschaft übrig, die noch vor nicht allzu langer Zeit in den hiesigen Wäldern stand. Ein Bild, welches man eher im böhmischen Lande erwarten würde, jedoch auch in Bayern gibt es solche Orte. Die Siedlung erwacht jedoch zu neuem Leben und menschliche Stimmen ertönen hier wohl Tag für Tag. Und im Sommer sind es wohl tausende, wenn sich hier vor den so wirklichen Kulissen ein großes Theaterschauspiel bietet.

Die Kirche ist dem heiligen Johannes aus Nepomuk geweiht und steht den Menschen tagsüber ständig offen. Ein jeder kann sie betreten und in der Stille des weiß-gelben Scheins Platz nehmen, wandeln und meditieren. Gleich neben der Kirche steht die alte Schule, einst errichtet für die Kinder des Ortes. Und auch hier kam dann die Zeit, als die sonstigen Häuser dem Erdboden gleichgemacht wurden. Doch heute tritt aus ihren Fundamenten ein neues Vermächtnis hervor. Verschiedene Tische und steinerne Gebäude, Tafeln mit heimatkundlichen Berichten. Ein alter Brunnen ist von einem Gitter überdeckt und an einem Zaun aus von Flechten umhüllten Holzlatten blüht immer noch ein Johannisbeerstrauch aus einem alten Garten. Und hinter jener Kirche und hinter der Schule windet sich ein hübscher Pfad, er selbst und auch der Ausblick, wie gemalt. Und wohin führt er Sie? Begeben Sie sich auf den Weg und Sie werden den Ort erblicken…

 

Kirche und Schule

Die verlassene Ortschaft Leopoldsreut wurde 1618 zu Beginn des 30jährigen Krieges gegründet. Sie wurde am Goldenen Steig gegründet, eines alten Handelsweges, der von der Stadt Passau durch den Böhmerwald bis nach Südböhmen führte. Mit der neuen Siedlung wollte der Gründer, der Passauer Fürstbischof Leopold I. sein Territorium gegen die böhmischen Nachbarn schützen. Außerdem wurde auch eine Zollstation, eine sogenannte Mautstelle, in dem Dorf stationiert. Im 19. Jahrhundert lebten etwa 150 Bewohner in dem kleinen Waldarbeiterdorf auf einer Höhe von 1108 Höhenmetern. Das Leben für die Leopoldsreuter war immer sehr beschwerlich, da in der unwirtlichen Gegend und bei ungünstigem Klima nur wenig Ertrag auf den Feldern erwirtschaftet werden konnte.

Die Leopoldsreuter arbeiteten vor allem als Waldarbeiter. Als diese Arbeit immer weniger wurde und ein Überleben immer schwieriger für sie wurde, kam es zu einer ersten Abwanderungswelle. Der Bayerische Staatsforst kaufte die leer stehenden Gebäude auf, zerstörte sie völlig und forstete an ihrer Stelle wieder Wald auf. Schließlich verließ im Jahre 1962 der letzte Bewohner Leopoldsreut. Von den Gebäuden sind heute nur noch die alte Schule und die ehemalige Kirche, das höchst gelegene Gotteshaus im gesamten Bistum Passau, erhalten. Wanderer, die heute nach Leopoldsreuter kommen, spüren noch immer die Mystik dieses untergegangenen Dorfes. Wer diesen verlassenen Ort besucht, für den ist