Neuthal

Foto: ENVIC

AUF DEM TANZPARKETT

Neuthal, auf tschechisch Nové Údolí, ist eine untergangene Ortschaft, die geographisch zu dem Bezirk Prachatitz gehört. Sie wurde von dem Fürst Schwarzenberg am Anfang des 19.Jahrhunderts gegründet mit dem Ziel das Holzreichtum auf der tschechischen und bayerischen Seite der Grenze auszunutzen. Die meisten Einwohner arbeiteten als Waldarbeiter in den Schwarzenberger Wäldern und die Frauen kümmerten sich um die Wirtschaft und die Kinder. Die Ortschaft wuchs schrittweise an, in der Blütezeit hatte sie 40 Häuser, 2 Gasthäuser mit Unterkunft für die Touristen, mit Tanzsparketten, einer Schule, einem Forsthaus, einem Bahnhof, mit dem Feuerwehr und mit einer kleinen Kapelle. Die Kinder, die Tschechisch lernen wollten, wurden mit dem Zug nach Volary gesendet, der ihnen der nationale Böhmerwald Verein bezahlte. Die Gläubigen hatten eine Möglichkeit die Pfarrkirche in Žleby zu besuchen, aber oftmals gingen sie in die nähere Kirche in bayerischen Haidmühle. Die Einwohner von Haidmühle kauften im Gegenteil in Neuthal ein.

Jede Familie hielte sich eine Kuh wegen Milch, Butter und Käse. Hier wurde am meisten Roggen, Hafer und Kartoffeln gepflanzt. Wenn die Waldarbeiter die Wilddiebe übersahen, ab und zu bekamen sie von denen ein Stück des Fleisches vom Reh. Falls jemand auf dem herrschaftlichen Grundstück Himbeeren und Heidelbeeren pflücken möchte, musste er bezahlen. Im Jahr 1910 wurde die Bahn Volary – Neuthal – Passau eröffnet, die anderen Touristen mitbrachte. Die Bahn wurde zu einem wichtigen Verkehrsmittel und die Bahnangestellte sich über eine Ehre freuten, obwohl Neuthal nie einen ständigen Fahrdienstleiter hatte.

Noch vor dem Ausbruch vom zweiten Weltkrieg kam es zur Aussiedlung der tschechischen Einwohner in das Inland im Jahr 1938. Die Nachkriegsaussiedlung der deutschen Einwohner kam unerwartet spät, erst im Jahr 1947. Jeder dürfte sich nur 30 Kilo mitnehmen und stieg in das hölzerne „Viehwaggon“ ein, wo er den Platz mit den rumänischen Besiedlern wechselte. Ungefähr nach einem Monat konnten die deutschen Einwohner in das Dorf für das gebliebene Werkzeug kommen. Das Jahr 1948 bedeutete das Ende der Ortschaft aus dem Grund der Schaffung des Grenzgebietes und im Jahr 1951 entstand der Eiserner Vorhang – die kurz angesiedelten Einwohner wurden wieder ausgesiedelt und die Häuser abgerissen. Der Eisenbahnverkehr wurde erst im Jahr 1990 erneuert. Um sieben Jahren später wurde hier ein Minimuseum der Böhmerwalder Lokalbahnen eröffnet, das in in einem Eisenbahnwaggon platziert wurde.